
Geboren wurde ich am 27. Juli 1990 in Rendsburg, einer kleinen Stadt im Herzen Schleswig-Holsteins. Aufgewachsen bin ich unweit davon, 25 Kilometer südlich in einem noch kleineren Nest. Nach der Grundschule wurde ab 2001 Rendsburg zu meiner zweiten Heimat, da ich dort das Gymnasium besuchte und sich mein soziales Netzwerk demzufolge mehr und mehr dorthin verlagerte. Aus meinem Heimatort wurde schließlich lediglich mein Schlafplatz, Freunde besuchen bedeutete seither jedes Wochenende 25 Minuten fahren. Der 2007 bestandene Führerschein ist in dieser Situation unerlässlich, da Buslinien hauptsächlich auf den Schülerverkehr ausgerichtet sind und am Wochenende mehr als spärlich bedient werden.
Das Abitur steht im Sommer 2010 an. Glücklicherweise gehöre ich zum letzten Jahrgang, der Abitur nach dem klassischen Schema, d.h. im Kurssystem macht. Meine Leistungskurse sind Geschichte und Englisch, drittes Prüfungsfach Biologie und als Viertes, mündliches, Philosophie.
Als ich 16 war änderte sich mein Leben radikal, denn meine Eltern trennten sich und meine Mutter zog zu ihrem Lebensgefährten. Ich entschied mich, mit ihr umzuziehen und so kam ich plötzlich in ein ganz neues Umfeld. Eine neue Familiensituation mit komplett anderem Umgang. Letztendlich denke ich, dass ich davon profitiere, diese zwei gegensätzlichen Leben gehabt zu haben: 16 Jahre harter Erziehung und einem ständigen Kampf um Anerkennung, darauf folgend ein Leben in Anerkennung, durch die gestützt ich endlich zum Erwachsenen heranwachsen konnte. Das gibt mir vor allem Kraft und Selbstbewusstsein: ich halte viel aus und gebe selten klein bei. Daraus resultiert Stärke, dank der ich mir sicher bin meine Ziele zu erreichen.
Meine Ziele für die Zukunft sind klar : im Sommer 2010 werde ich die Berufsgrunduntersuchung zum Verkehrsflugzeugführer bei der Lufthansa machen. Ist die bestanden steht voraussichtlich Anfang 2011 der nachfolgende Test an, die Firmenqualifikation. Etwa eineinhalb bis zwei Jahre später würde ich dann mit der Ausbildung zum Piloten in der Lufthansa Verkehrsfliegerschule Bremen beginnen.
Die Zwischenzeit will sinnvoll gefüllt sein. Mein Interesse für Reisen schreit nach einer Ausbildung in der Tourismusbranche. Vor allem da der Traum vom Piloten eine unsichere Sache ist will ich mir ein zweites Standbein, ein Backup schaffen. Diesbezüglich habe ich mich beim East Asia Institute of Management in Singapur eingeschrieben, und zwar für den Studiengang Tourism & Hospitality Management. Voraussichtlich werde ich also mindestens achtzehn Monate in Singapur sein. Ein "normales" Studium kommt für mich nicht in Frage, da der Gedanke, jahrelang in einer sogenannten deutschen Universitätsstadt theoretische Bücher zu welchem Thema auch immer zu wälzen, mich eher abschreckt. Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen als ein trockenes Studium. Nach 13 Jahren Schule habe ich genug vom trockenen Lernen.
Thema Reisen: es ist mein definitiv größtes Hobby in die Welt hinauszuziehen. Die Kleinstadtatmosphäre drückt mir buchstäblich die Luft hab und ein paar Mal im Jahr wird es allzu schlimm und ich muss eine Weile an die frische Luft. Der erste große Streifzug dieser Art fand bereits kurz nach meinem 18. Geburtstag statt: über Los Angeles, Singapur und Bangkok flog ich binnen zwei Wochen einmal um den Globus, eine Erfahrung die mich stark geprägt hat. Nur ein Jahr später verbrachte ich gleich drei Wochen bei meiner Freundin in Kalifornien. Nach dem Tod meines Vaters im November 2009 hatte ich das Gefühl, mir platze der Kopf und entschied mich kurzfristig für ein paar Tage Tapetenwechsel - und zwar bei guten Freunden in Singapur.
Viele in meinem Umfeld verstehen diesen Lebenswandel nicht. Mit einer Woche Vorlauf und nur für ein paar Tage nach Singapur zu fliegen ist in der Tat eine verrückte Sache. Doch wie sich herausstellte war es in der Situation das Beste was ich hätte tun können. Und auch unter weniger traurigen Umständen wäre das genau nach meinem Geschmack gewesen. Ich finde man sollte sich genau diese Dinge trauen. Und wer sich erst einmal überwunden hat merkt, dass gar nichts Schlimmes dabei ist. Man steigt auf der einen Seite ins Flugzeug ein und ein paar Stunden später wieder aus. Zurecht findet man sich immer. Zugegeben, ich bin in der glücklichen Situation gute Freunde rund um die Welt zu haben die sich freuen mich zu sehen, mich bei sich aufnehmen und mir hilfsbereit zur Seite stehen.
Doch ich reise auch gern allein. Bin ich erst einmal in einer großen Stadt kann mich kaum mehr jemand bremsen, ich laufe und laufe und laufe, unaufhaltsam. Da halten die Wenigsten mit und ich bin in meiner Unabhängigkeit und spontanen Entscheidungsfreudlgkeit eingeschränkt.
Das wiederum heißt nicht, dass ich ein Einzelgänger bin. Ich habe gerne Menschen um mich. Die oben erwähnten 25 Minuten Autofahrt zu meinen Freunden sind es jedes Mal wieder wert. Ich habe es nicht schwer mich mit Menschen anzufreunden und tue es auch gern. Ich liebe es, den Lebensgeschichten von Menschen aus manchmal ganz anderen Kulturen zuzuhören, andere Sichtweisen auf das Leben und die Welt kennen zu lernen und fremde Lebensweisen hautnah zu erleben. Das interagiert natürlich mit meiner Reiselust.
Meine eigene Sicht auf das Leben ist relativ einfach: ich versuche, aus jedem Tag das Beste herauszuholen. Ich wurde wiederholt daran erinnert wie schnell ds Leben oder Abschnitte davon enden können. Deswegen sollte man jeden Tag so leben als wäre es der Letzte.
Ein reiner Hedonist bin ich dennoch nicht. Ich stecke mir langfristige Ziele und arbeite auf diese hin, ich plane sorgfältig, anstatt mich einfach in irgend etwas hineinzustürzen. Trotzdem: Abi hin oder her, das Leben ist zu kurz um den ganzen Tag zuhause über Büchern zu sitzen. Mir tun die Menschen Leid, die zwar unglaublich gute Noten haben, aber keine wirklichen Freunde, nie ausgehen oder sich einfach mal zurücklehnen und sich ausruhen. Vielleicht blicken diese Leute irgendwann auf ihr Leben zurück und merken, dass sie für die falschen Ziele gelebt haben. Der Mittelweg ist entscheidend.
Generell glaube ich, im Leben den Mittelweg ganz gut zu halten. Sei es der zwischen Arbeit und Vergnügen, zwischen Abenteuer und Bedachtheit, zwischen Planung und Spontaneität oder zwischen Ernst und Spaß.









Los Angeles