background image to appear soon background image to appear soon background image to appear soon background image to appear soon
background image to appear soon background image to appear soon background image to appear soon background image to appear soon

Dezember 2009 - Singapur

Manchmal häufen sich im Leben Ereignisse, die einem stark an die Substanz gehen. Der November 2009 war ein Monat, in dem es mir so ging. Der Höhepunkt der Talfahrt war, als am Ende des Monats ganz unerwartet mein Vater verstarb. Die dadurch entstandenen Wirren verlangten nach einer Auszeit, insbesondere da in diesem Monat bereits eine wichtige Klausur im Zusammenhang mit dem Abitur anstand, ganz zu schweigen von zwei Leistungskursklausuren. Mir wurde klar, dass die Bürden, die ich mittlerweile trug im Abitur eher hinderlich sein würden und entschied mich kurzfristig, für ein paar Tage auszusteigen.
Eine meiner ersten Eingebungen war, nach Singapur zu fliegen, wo ich mittlerweile zwei gute Freunde hatte von denen ich wusste, dass sie mich auf bessere Gedanken bringen würden. Außerdem bot sich Singapur an, da es einen radikalen Tapetenwechsel darstellte, weit weg von der grauen Tristesse des langsam dahinsterbenden Jahres, die den November zum schlimmsten in jedem Jahr macht.
Mit nur knapp eineinhalb Wochen Vorlauf begann ich meine Planungen. Ich fragte Tina, ob sie überhaupt in der Stadt sei und ob ich eventuell einen Schlafplatz erschnorren könnte. Das war kein Problem und sie und ihr Freund Mikael freuten sich auf meinen Besuch.

Mittwoch, 9. Dezember und 10. Dezember 2009

Flug Hamburg - Dubai - Singapur

Es war die letzte Woche der touristischen Flaute vor dem Weihnachtsgeschäft. Daher konnte ich den Flug mit Emirates wirklich günstig erstehen, eine Woche später hätte er weit mehr als das Doppelte gekostet. Es war also auch die letzte Chance für meinen Tapetenwechsel.
Ich hatte online eingecheckt und konnte daher gelassen an den Abflug herangehen. Entsprechend der allgemeine Empfehlungen gab ich mein Gepäck drei Stunden vor Abflug auf - ein Fehler, denn da der Flug nur spärlich besetzt war war das schnell geregelt und mir blieb viel zu viel Zeit, die ich am Hamburger Flughafen totschlagen musste. Da es kein Drehkreuz ist und Passagiere nur entweder abfliegen oder ankommen sind die Möglichkeiten des Zeitvertreibs stark begrenzt.
Ich überlebte es trotzdem und als die Boeing 777 gegen 15:00 Uhr in die bereits untergehende Sonne über den Wolken stieg ließ ich allen Stress und alle Belastung langsam hinter mir.

Glücklicherweise hatte ich mich entschieden, für hundert Euro mehr den Direktflug von Dubai nach Singapur zu nehmen, der nur zwei Stunden nach der mitternächtlichen Ankunft aus Hamburg abging. Die günstigere Option wäre gewesen, am Morgen, nach knapp sieben Stunden, über Colombo nach Singapur zu fliegen - meine Ankunft hätte sich dann von 14:00 Uhr auf 21:00 Uhr verzögert.
Und so blieb mir nicht so viel Zeit in Dubai. Ich stöberte durch die Souvenirläden des Terminals, erstand ein kleines Mitbringsel für meine Gastgeber und las ein wenig, bevor es weiterging.
Sieben Stunden gefüllt mit Filmen, Computerspielen auf dem Entertainmentsystem und Schlaf später sank die Maschine dann langsam aus einem makellos blauen Himmel auf kleine Inseln und türkises Meer hinab. Der zauberhafte Ferne Osten, die paradiesischen Tropen, die große Weltstadt, liebe Menschen die ich viel zu lange nicht gesehen hatte lagen zum Greifen nah.


Singapur!

Da war ich also. Das vielbesungene Singapur, Inbegriff des Exotischen, des Aussteigerlebens. In der Realität ist es vor allem eine pulsierende Metropole voller Leben, das einen schon am Flughafen in Empfang nimmt.
Ich deponierte meinen Koffer am Flughafen und fuhr in die Stadt. Am Samstag sollte das ZoukOut-Festival stattfinden, die größte Beachparty Asiens. Tina und Mikael wollten hin und hatten mich eingeladen, mit zu kommen. Ein Ticket kaufen war im Internet jedoch nicht möglich, weswegen ich kurzerhand zum Zouk Club, der veranstaltenden Disco, wollte. Google Earth sei dank wusste ich auch, wo ich lang sollte.
Ich fuhr mit der MRT - ich hatte mir einen Tourist Pass gekauft, mit dem ich drei Tage lang uneingeschränkt fahren konnte - zum Clarke Quay. Zugegebenermaßen fehlte mir ein wenig die Orientierung, als ich auf die Straße trat. Über den Giebeln ragten jedoch die Hochhäuser des Finanzviertels empor. Ich wusste, sie standen direkt am Fluss und flussaufwärts lag auch der Zouk Club. Ich umrundete den Block alter Häuser und fand mich am Boat Quay wieder. Später stellte ich fest, dass ich nach Verlassen des Bahnhofs einfach nach links hätte gehen sollen, fünfzig Meter weiter floss nämlich der Fluss vorbei. Halb so wild, ich hatte ja Zeit und begann, am Flussufer entlang zu schlendern.
Eines hatte ich nicht bedacht: die unmenschliche Hitze. Dummerweise war ich in schwarzer Jeans und schwarzem T-Shirt unterwegs. Beim Abflug in Hamburg hatten Temperaturen um den Gefrierpunkt geherrscht und folglich fiel der Klimaschock entsprechend stark aus. Bereits am Flughafen war mir der Schweiß so sehr ausgebrochen, dass ich noch im Terminal ein Deo gekauft hatte. Das brachte allerdings auch eher wenig. Und so war der Gang in strahlender Sonne, bei gefühlten 90% Luftfeuchtigkeit und so wenig akklimatisiert fast schon qualvoll. Ich schaffte es dennoch, die Disco zu erreichen und obwohl meine Erscheinung eher abstoßend gewesen sein muss wurde ich mit Asiatischer Freundlichkeit bedient, erstand ein Ticket und machte mich auf den Weg zurück zum Boat Quay. Im Jahr zuvor war ich hier nach langer Suche endlich auf ein McDonald's gestoßen und musste bitterlich enttäuscht werden, denn zum ersten Mal lernte ich damals das berüchtigte McDonald's-Frühstück kennen. Aber jetzt war ja kein Morgen mehr, sondern später Nachmittag.
Ich erstand ein paar Chicken Nuggets, eine Cola und einen Cheeseburger und setzte mich auf die Stufen, die in den Singapore River führen. Im Schatten der mächtigen UOB Plaza ließ es sich aushalten, der Verkehrslärm wurde zur gedämpften Hintergrundkulisse, die untergehende Sonne tauchte die Fassaden der Hochhäuser weiter unten am Fluss in goldenes Licht, eine Taube näherte sich mir vorsichtig. Das war der Moment, für den ich hergekommen war: mit einem Schlag fiel alles von mir ab, was mich belastet hatte. Herzschmerz, Trauer, Stress, Sorgen, sie alle wurden plötzlich von meinem Herzen abgesprengt wie eine trockene Kruste. Ich atmete tief ein, nahm einen großen Schluck Cola und ließ die Situation auf mich einwirken, ohne Zeit, ohne Raum, nur das Hier und Jetzt.

Kurz darauf vibrierte mein Handy. Tina fragte per SMS ob ich jetzt Zeit hätte mich mit den beiden zum Abendessen zu treffen, sie hatten jetzt Feierabend. Was für eine Frage, natürlich hatte ich Zeit. Mit meinem Fastfood war ich eh fertig, ich packte zusammen, verabschiedete mich von der Taube und fuhr nach Bugis, wo Mikael's Blondschopf, einen Kopf höher als die meisten Menschen in der quirligen MRT-Station, unschwer zu entdecken war.
Nach der herzlichen Begrüßung gingen wir zunächst in die nahe Bücherei und kurze Zeit später suchten wir uns ein nettes Restaurant, wenn man es so nennen kann. Interessant war es allemal: Steamboat nennt man das Gericht, das der Kunde selbst kocht. In der Tischmitte findet sich eine Kochplatte mit einem Topf, der geteilt ist, zwei verschiedene Brühen (scharf und mild) darin. Sie können mit frischen Zutaten vom Buffet gefüllt werden: von Krabbenteilen bis hin zu verschiedenem Gemüse war quasi alles da und konnte nach Belieben in der Suppe verkocht werden. Wir kochten, aßen und unterhielten uns nett. Später fuhr ich zum Flughafen um meinen Koffer zu holen und wurde an der MRT-Station von den beiden erwartet.
Als wir dann in der Wohnung der beiden angekommen waren und ich eine kleine Führung bekommen hatte konnte ich endlich die lang ersehnte Dusche nehmen und ging bald darauf zu Bett.





Freitag, 11. Dezember 2009

Stadttour

Ich erwachte erstaunlich früh und gut ausgeruht. In der Annahme, meine Gastgeber seine bereits aus dem Haus fing ich den Morgen gelassen an und suchte mir im Internet Anregungen für Ziele, die ich am heutigen Tag ansteuern sollte. Dabei stoplerte ich durch Zufall über die Seite der Tourism Academy @ Sentosa, die Initalzündung für meine Obsession eines Tourismusstudiums in Singapur. Ja, so fangen große Dinge an, ganz klein und unschuldig.

Auf einmal stand Mikael hinter mir, was mich völlig erschreckte. Die beiden verließen die Wohnung jedoch zügig, da sie "wie immer" zu spät seien, wie Tina sagte. Wir verabredeten uns für den Abend und wenig später machte ich mich auf in die Stadt.

Ich nahm die MRT nach Little India und sah mich dort ein wenig um, fuhr dann weiter, wieder zum Boat Quay, lief ein wenig den Fluss hinauf und fand mich plötzlich am Clarke Quay wieder, direkt vor einer Hooters-Filiale. Mir war nicht bewusst gewesen, dass es hier eine gab. Da mittlerweile eh Mittagszeit war kehrte ich ein und gönnte mir eine Portion Wings.
Gut gesättigt machte ich mich wieder auf den Weg, mit dem Zug zur Orchard Road die reich dekoriert sein sollte. Das war sie und das Bild der weihnachtlichen Dekoration mit Plastikschneemännern und -rentieren wirkte fast schon grotesk surreal auf mich. Dennoch, für eine schöne weihnachtlich dekorierte Straße fehlte eigentlich nur der Schnee.




Späterer Nachmittag

Ich fuhr zurück ins Apartment. Sightseeing hatte ich vorerst genug und so entschied ich mich, mir ein bisschen Ruhe zu gönnen. Schließlich hat die Anlage einen riesigen Pool, der frei genutzt werden kann. Dort nahm ich mir eine Liege, las ein wenig und schwamm ein paar Runden. Einmal mehr fand ich in der lebendigen Stadt die Ruhe, die meine ländliche Heimat irgendwie nicht zu bieten hatte.

Doch dann zog es mich doch wieder hinaus. Ich fuhr zur Esplanade, ging zum Merlion und zum Singapore Flyer, es ist erstaunlich wie viele Kilometer man an einem Nachmittag ohne Stress zurücklegen kann. Tina wollte sich mit mir vor der Clarke Quay MRT-Station treffen, also ging ich dorthin und wartete eine ganze Weile. Aus ungeklärtem Grund war sie jedoch aufgehalten worden. Letztendlich schaffte sie es aber doch, gemeinsam mit ihrer Freundin Maila. Wir gingen in einem nahe gelegenen Lokal Fish'n'Chips essen, hier stieß auch Mikael dazu.





Nachtleben

Nach dem Essen setzten wir uns in ein kleines Straßenlokal und tranken ein paar Bier. Ich erfuhr, dass wir uns mit ein paar weiteren Freunden der Mädels in einer Disco treffen wollten. Tina und Maila gingen schon vor, während Mikael und ich uns noch bei einem Bier unterhielten. Wie alles in Singapur war auch diese Disco leicht zu Fuß zu erreichen. Ich lernte mehr Leute kennen, mit denen ich mich auf Anhieb prima verstand. Die Disko gefiel mir auch, sie stellte den krassen Gegensatz zu unserer lokalen Kleinstadtdisco dar und hier machte das Feiern auf einer ganz anderen Ebene Spaß.





Samstag, 12. Dezember 2009

Geführte Stadttour

Diesmal hatte ich zwei Einheimische dabei und erfuhr einiges Neues über die Orchard Road, genauer gesagt wann wo wieviele neue Einkaufszentren gebaut worden waren und gebaut würden. Wir sahen uns zwei neu eröffnete Malls an und genossen dann den Ausblick vom Dach einer ein ganzes Hochhaus Einnehmenden.
Direkt an die Orchard Road grenzt Fort Canning Park, das Gelände eines alten englischen Forts, jetzt ein Naherholungsgebiet mit tropischem Regenwald. Auf der anderen Seite des Hügels liegt schon Clarke Quay - wozu hatte ich mir überhaupt eine teure MRT-Karte gekauft?
Es folgte Mikaels große Stunde: erkaufte sich Teile für einen neuen Computer, den wir bei ihm zuhause zusammenbauten während Tina einen Termin wahrnahm. Um die halbe Welt fliegen um einen Computer zusammenzubauen - ich bereue es nicht, denn es ist Teil der Erfahrung, in einer fremden Stadt ein gern gesehener Gast zu sein.






ZoukOut

Am Abend trudelten dann einige Freunde, Kollegen und Nachbarn ein. Einen entsprechenden Begriff habe ich nicht gehört, aber wo ich herkomme hätte man das ein "Vorglühen" genannt. Es hatte jedenfalls alle Elemente: Alkohol, Musik, Konsolenspiele und geselliges Beisammensein.
Später am Abend machten wir uns auf nach Sentosa Island, wo das Festival stattfinden sollte, dem alle so entgegenfieberten. Die MRT war geschlossen, also fuhren wir mit zwei Taxis auf die Insel.

ZoukOut ist anders als die Festivals, die ich kannte. Meinen Rucksack mitzunehmen oder festes Schuhwerk anzuziehen waren Fehler gewesen. Statt auf einer Wiese befanden wir uns auf einem Strand und die Musik selbst war natürlich auch anders. Kenner werden widersprechen, ich kategorisiere die Musik jedenfalls unter "Techno". Offiziell heißt es, es war ein "Dance Music Festival", anderswo war das Wort House zu hören. Jedenfalls hat es riesigen Spaß gemacht mit meinen an diesem Abend neu gewonnenen Freunden und Wodka-Redbull zu feiern, wortwörtlich die ganze Nacht. Denn ehe man es sich versah war die Sonne aufgegangen (das geht in den Tropen schnell) und als gegen sechs Uhr dreißig die Musik ausging machte der Körper sein Recht auf Schlaf geltend. Migenommen und erschöpft zerstreuten sich die tausenden von Menschen langsam, zurück auf dem Festland verabschiedeten auch wir uns vom Rest der Gruppe, aßen kurz etwas im Einkaufszentrum neben dem Apartmentgebäude und gingen dann bis zum Nachmittag schlafen.














Sonntag, 13. Dezember 2009

Gemütlicher Tag

Als wir wieder aufwachten waren wir verständlicherweise noch nicht komplett wieder ausgeruht. Besonders die Füße taten uns noch weh, und so entschieden wir uns nichts Großes zu unternehmen. Wir trafen uns mit den Nachbarn Brad und Cate, die ich schon vom Vorabend kannte, zum Essen. Für später mieteten wir die Bowlingbahn des Apartmentkomplexes. In der Zwischenzeit machten wir drei einen Spaziergang durch das angrenzende Little India.

Nach der Bowlingpartie mit den Nachbarn fuhren wir wieder zur Orchard Road um ein etwas edleres Abendessen einzunehmen. Mir wurde verboten, das Sushi zu bezahlen, Mikael bestand darauf, mich an meinem letzten Abend einzuladen.
Mein Flug ging nach ein Uhr, den Koffer musste ich jedoch bis spätestens 23:50 Uhr einchecken. Wir hatten uns jedoch mit der Zeit vertan und als ich um 23:00 Uhr abfahrbereit war, war es bereits zu spät um den Zug zu nehmen, also half Tina mir, ein Taxi zu ergattern. Wie es mit Taxen aber immer ist war gerade absolut keins zu bekommen. Als es endlich geklappt hatte und ich mich viel zu hastig von meiner besten Freundin verabschiedet hatte blieb ich trotzdem angespannt. Glücklicherweise schaffte es der Taxifahrer, mich genau fünf Minuten vor Schalterschluss am Flughafen abzusetzen.





Montag, 14. Dezember 2009

Flug Singapur - Dubai - Hamburg

Der Rest war dann wenig ereignisreich. Ich schaffte es, auf dem Flug nach Dubai ein wenig Schlaf zu finden, aß während meines nächtlichen Aufenthalts ein wenig gesundes Frühstück bei Burger King und schlief auf dem Flug nach Hamburg noch eine Runde mehr. Diesmal hatte ich die gesamte Reihe von drei Sitzen für mich allein, was den Komfort stark erhöhte.

Wieder zuhause wurde ich zurück ins Leben geworfen. Ich hatte nichtmal Zeit gefunden, meine Shorts gegen Jeans zu tauschen und einen Pullover überzuziehen - es hatte mittlerweile geschneit - da musste ich mit meiner Schwester zur Bank fahren. Am nächsten Tag stand eine LK-Klausur an. Doch der kurze Trip in die Traumstadt hatte geholfen. Ich ging fortan alles ruhig und besonnen an, ließ mich durch nichts unter Stress setzen und meisterte alles zur Zufriedenheit. Das Leben ging weiter, besser als zuvor. Schließlich hatte ich einen neuen Lebensinhalt gefunden: auf mein Studium in Singapur zuarbeiten.



 

Meine Reisen
Einführung Flugstatistik
2006
Kairo Wacken Open Air
2007
Oslo Wacken Open Air Berlin
2008
Wacken Open Air Los Angeles Singapur Bangkok
2009
Neapel Wacken Open Air Los Angeles San Francisco Grand Canyon Las Vegas Singapur
2010
Singapur Dubai Barcelona San Francisco
2011
Bangkok
2012
Beijing
 
08.04.2010
Home Impressum Kontaktformular Über mich Mein Blog 11. September Flaggen Sprache wechseln Zu Lesezeichen hinzufügen