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Singapur

17/18 August - Flug

Als ich in Los Angeles durch die Tür ging, begann ein komplett neues Abenteuer für mich. Boarding war um 01.05 Uhr. Ich kam jedoch um einiges später an Gate 103 an und musste noch ein wenig warten.
Als ich in der 777-300ER auf Platz 60A Platz genommen hatte und aus dem Fenster in die Dunkelheit sah, wurde mir schlagartig klar, was das bedeutete: Laine war wahrscheinlich schon auf einem Freeway weit weit weg und ich würde in die andere Richtung davonfliegen. Wenn die Sonne aufgehen würde, wäre hier schon wieder später Nachmittag und der ganze Spuk längst vorbei. Ich scholt mich ein Arschloch, diesen Blödsinn zu machen, ich hätte doch da bleiben sollen. Es fühlte sich wie eine Sünde an, diese perfekte Situation einfach so - und irgendwie ohne Grund - zu verlassen. Doch es war zu spät, ich saß nunmal und in Singapur wartete ein Hotel und meine quasi-Große Schwester Tina auf mich.



Die 12 Stunden Flug nach Taipeh waren sehr dunkel. Das Essen war auch nicht wirklich genießbar, aber wenigstens hat EVA Air ein exzellentes AVOD-System und ich vertrieb mir einen Teil der Zeit damit, Zuma zu spielen und ein paar BBC-Dokumentationen zu gucken.

Irgendwann früh morgens ging die Sonne auf und kleine Inseln tauchten auf, wenig später waren wir in Taipei. Beim Aussteigen suchte ich schonmal meinen Boardingpass für den Weiterflug nach Singapur heraus - fand ihn aber nicht. Natürlich machte sich Panik breit, die Stewardess riet mir, mich beim Bodenpersonal zu melden um einen Neuen zu bekommen. Da wollte ich denn dann auch gleich hin. Vor dem Durchgang zur Transferebene sah ich aber noch ein letztes Mal nach - und siehe da, das Ding hatte sich zwischen den Seiten eines Notizbuches versteckt, ohne beim Schütteln herauszufallen. Da hatte ich nochmal Glück und konnte entspannt weiterreisen.
Das Terminal ist ziemlich einfach aufgebaut. Ein langer Gang, auf der Vorfeldseite Shops und Gates, auf der Straßenseite Toiletten und Fenster. Man möchte meinen, dass man sich dort nicht verlaufen kann - allerdings ist der Gang so extrem lang und sieht überall gleich aus, dass man schon aufpassen muss. Von einem gebührenfreien Internetcafe schrieb ich Laine, dass ich sicher angekommen war und versuchte, meine Gefühle über das Weggehen auszudrücken. Dann lief ich noch ein bisschen herum und fotografierte Flugzeuge. Dabei traf ich auch meinen Sitznachbarn vom vorherigen Flug wieder und unterhielt mich noch kurz mit ihm. Er erzählte mir, dass er nach Bangkok flöge, da dies seine Heimatstadt sei.

Um kurz nach Sieben (daran, dass ich um diese Uhrzeit überhaupt wach war, ja sogar sehr wach war, sieht man deutlich, dass die Zeitverschiebung sich doch bemerkbar macht) ging es dann auch schon weiter, in einem Airbus A330-200. Und wieder hatte ich Glück mit dem Sitznachbarn: ein Taiwanesischer Geschäftsmann, der sich interessiert meine Geschichte anhörte. Allgemein lässt sich sagen, dass die Taiwanesen sehr höfliche und freundliche Menschen sind. Nicht so locker und plaudernd wie in Kalifornien, aber trotzdem nicht minder liebenswert.

Montag, 18. August 2008

Um Punkt zwölf Uhr mittags stapfte ich schon wieder einen Finger hinauf. Siedend heiß war mir eingefallen, dass ich ja in das strenge Singapur reiste - und mir gerade zwei Tage zuvor noch Kaugummi gekauft hatte, um den Druckunterschied im Sinkflug ausgleichen zu können! Die Kaugummis waren jedoch irgendwo im Rucksack verschollen. Es blieb also spannend.





Die Einreise in Singapur wird jedoch genau so überzogen dargestellt wie die in den USA - Zettel abgeben, freundlich lächeln, während der Beamte das Reisepassfoto kontrolliert, Koffer holen und weg. Von der Strenge, der Pingeligkeit und Rücksichtslosigkeit, von der ich so viel gehört hatte, war nichts zu spüren.

Singapur = Perfektionismus
Das ist die Grundformel, um dieses Land zu beschreiben. Kein langes Suchen nach dem richtigen Zug. Die Frau am Infoschalter wusste genau Bescheid (ist ja auch nicht selbstverständlich wie ich im Laufe der Reise feststellen durfte) und ich folgte ihrer Beschreibung, fand den internen Zug, der im Minutentakt zwischen den Terminals pendelt, fand den Weg durch ein zweites penibel sauberes Terminal zur MRT-Station. Wie die MRT funktioniert, hatte ich mir vorher ja schon genau herausgelesen, aber auch so wäre es fast zu einfach gewesen. Einfacher als in Deutschland (und wesentlich billiger bei besserem Service) allemal. Statt Papiertickets gibt es eine Chipkarte, die, auf einen Sensor gehalten, auf wundersame Weise Zugang zur Plattform gewährt. Der Zug kam schnell, ich musste in Tanah Merah umsteigen um nach Kallang zu kommen.

Bereits beim Terminalexpress war mir ein Schwall heißer, schwüler, schwerer Luft entgegengeschlagen, als die Türen aufgingen. Wie schlimm es aber wirklich ist, merkte ich erst, als ich die paar Straßenzüge zum Fragrane Emerald Hotel ging. Auch dort ging alles super schnell und einfach, binnen Minuten war ich auf meinem Zimmer. Zwar musste ich 10 Dollar hinterlegen, um einen Steckdosenadapter zu bekommen, aber die kamen ja wieder. Das Zimmer, winzig im Vergleich zum Hotel in Los Angeles, doch ausreichend und sauber, fasste kaum meinen Koffer. Ich schrieb Tina eine SMS und sie antwortete, dass wir uns sogar schon an diesem Abend treffen könnten. Wir machten 20.00 Uhr ab, in der City Hall MRT Station.
Mein Nachmittag bestand jedoch erstmal daraus, zu schlafen. Ein wenig zu spät stand ich auf. Der Fußweg zur MRT Station dauert etwa 15 Minuten, die Züge fahren auch hier alle paar Minuten. Und in Windeseile ist man im Stadtzentrum.

Tina wartete im Starbucks. Eine wahre Freude, sie endlich wieder zu sehen. Sie lud mich zum Abendessen ein und wir tauschten uns über dieses und jenes aus. Die erste Zeit sah ich jedoch nichts als die Mall. Oder besser gesagt, eine Mall. Denn davon gibt es in Singapur vielleicht mehr als irgendwo anders.

Wir gingen nach draußen, es hatte grad geregnet, war aber trotzdem drückend schwül. Bei einer Runde um das Raffles Hotel zeigte sie mir schon ein paar Dinge aus der Entfernung (den Singapore Flyer zum Beispiel). Ein langer Aufenthalt war es nicht, aber sie vesprach mir, am nächsten Tag mehr Zeit zu haben. Da wir den selben Weg hatten furhen wir gemeinsam mit der MRT, wobei sie mir einschärfte, auf keinen Fall in die Straßen mit der geraden Nummerierung in Geylang zu gehen. Mein Hotel lag aber in Straße Nummer 6.
Geylang ist das Rotlichtviertel von Singapur. Allerdings sah ich davon wenig, es sind vielmehr einige Straßencafes, die auch nachts noch voll besetzt sind. Mehr nicht. Nicht vergleichbar mit St. Pauli.

Dienstag, 19. August 2008

Es war ein sehr nebliger morgen. Regen lag deutlicher in der Luft als ich es je in Deutschland erlebt hatte (wo ich akkurate Regenvorhersagen nur deswegen treffen kann, weil ich weiß, dass es hier regelmäßig regnet).
Ich war recht früh wach. Gegen halb zehn war ich bereits an der MRT. Doch beim Versuch, einen Zug zu bekommen, wurde ich enttäuscht. Die Menschen fielen schon fast heraus, wenn die Türen aufgingen. Offenbar war Rush Hour. Ich wollte aber nicht allzu lange warten und entschied, einfach zu Fuß ins Zentrum zu gehen. Den Weg kannte ich von Google Earth grob, die Wolkenkratzer sind eh eine gute Orientierung und Zeit hatte ich auch. Auf diese Weise konnte ich wenigstens zwischendurch bei McDonald's Halt machen und frühstücken.















Doch McDonald's war rah gesät - zu rar. Keinen fand ich, selbst über den Weg war ich mir nicht mehr allzu im Klaren, doch gerade als mir das bewusst wurde stand ich wieder direkt vor dem Raffles Hotel, wo ich schon am Vorabend gewesen war. Irgendwo hier war auch ein McDonald's, das wusste ich. Doch ich fand ihn nicht. Also lief ich weiter, über den Fluss ins CBD, als ich das vertraute goldene M erblickte. Doch ich musste feststellen, dass dort nur Frühstück (Eiburger, Pfannkuchen und ähnliche kulinarische Unsitten) verkauft wurden, keine BigMäcs... nebenbei, als ich wieder in Europa war musste ich feststellen, dass diese Unsitte mittlerweile auch hier Einzug gehalten hatte.

Doch es musste noch einen geben, einen Größeren, der alles verkaufte. Auf diese Weise kam ich im CBD weiter rum als jemals, wenn ich satt gewesen wäre.

Dann kam der Regen.
Ich war gerade in der Cecil Street unterwegs, als der Monsun sich schlagartig entlud. Ein warmer Regen, große Tropfen. Und trotzdem war es schwül und ich schwitzte wie ein Tier. Ich rettete mich zuerst in eine Bushaltestelle, dann in die MRT (Tanjong Pagar) und fuhr zurück zur City Hall, um erneut nach Frühstück zu suchen. Doch ich fand nichts, nicht in der Mall (obwohl dort irgendwo ein Burgerking sein sollte - nur war ich zu diesem Zeitpunkt mit der Singapurischen Stockwerkangabe noch nicht allzu vertraut, so dass mir "B2" nicht half. Ich lief zur Esplanade, dort MUSSTE es McDonald's geben (gibt es auch, aber das hat mir Tina erst abends gezeigt - ich übersehe Dinge überall auf dem Globus), und zurück (durch die City Link Mall, die unterirdisch mehrere Punkte verbindet - und links und rechts sind Läden). Dann - endlich - am Raffles Hotel, ein McDonald's! Ich kam endlich zu meinem BigMac und Cola, dazu noch einen Cheeseburger. Gut vier Stunden nach dem Aufstehen und wahrscheinlich gut vier Kilometern kam ich endlich zum Essen.







Ich fuhr mit der MRT zur Orchard Road. Tina hatte mir praktisch aufgetragen, dort hin zu gehen. Obwohl es eher ein Ort für Frauen ist - noch mehr zum Einkaufen als an der City Hall! Eine ganze Straße gesäumt von gewaltigen Einkaufszentren, wo sogar ich etwas gefunden hätte. Ich nutzte die Gelegenheit, eine Postkarte nach LA zu schreiben. An Laine's ganze Familie, um mich nochmal für die Gastfreundlichkeit zu bedanken.

Ich fuhr wieder zurück - ist es nicht lustig, dass man in solch großen Städten immer wieder am selben Punkt vorbeikommt? In Berlin ist das bei mir entweder der Alexanderplatz oder der Kurfürstendamm, in Los Angeles war es die Kreuzung zwischen I-110 und I-105, in Singapur die City Hall MRT.
Von dort wollte ich nun endlich auch zum Merlion. Singapurs Wappentier als riesiger Wasserspeier vor der imposanten Skyline. Und ein Muss für Touristen wie mich.

Gesagt, getan. Da ich schon so nah dran war stürzte ich mich erneut ins CBD, lief hierhin, dorthin und ergötzte mich an der Architektur.











Und schon wieder kam ich an die City Hall. Die dazugehörige Raffles Mall wurde nochmal zum Ziel, diesmal fand ich auch den Burgerking (im Keller), gönnte mir eine Cola für den Weg. Denn ich entschied, die 90 Cent zu sparen und einfach zu Fuß zurück zu laufen. Wenn man schonmal in Singapur ist, kann man es ja ausnutzen, wenngleich auch die MRT eine Sehenswürdigkeit für sich ist.
Zwischendurch war die Cola leer und wurde durch eine Sprite ersetzt und nach etwa einer Stunde Fußmarsch kam ich wieder am Hotel an. Das war gegen 16.00 Uhr. Ich fand, mir ein Nickerchen verdient zu haben (O-Ton Tina: "Du bist nach Asien gekommen um zu schlafen")

Um halb sieben abends war ich wieder auf dem Weg zur City Hall. Obwohl ich schon wieder zu spät war durfte ich auf meine Schwester warten. Sie kam aber auch wenig später angestiefelt. Diesmal gingen wir in eine andere Richtung als am Vorabend - zum Singapore Flyer. Angeblich zu diesem Zeitpunkt das höchste Riesenrad der Welt (was auch immer daran so toll sein soll... *Höhenangst lässt grüßen*). Viel besser: darunter gibt es noch eine Mall, in der ein kleiner Laden ist, in dem man u.a. in einem Flugsimulator fliegen kann (für viel, viel Geld) und kleine Fanartikel zu Boeing kaufen kann. Poster, Modelle, Mousepads, Aufkleber... ich gönnte mir einen Kofferanhänger und einen Aufkleber mit 747-Schriftzug für insgesamt 11 Dollar.



Wir gingen den Weg halb zurück - bis zur Esplanade. Dort trafen wir mit Tinas Freund Mikael zusammen. Sie hatte Geschmack bewiesen, Mikael war mir auf Anhieb extrem sympathisch. Wir aßen zusammen an der Esplanade mit Blick übers Wasser auf das CBD.
Später wollten wir zum Clarke Quay, der Nightlife-Ecke der Stadt. Dort ist wirklich etwas los, gerade lief eine Barkeeper Competiton vor einem großen Menschenauflauf. Dann luden die beiden mich auf einen Cocktail ein. Ich kann versichern, dass es erstmal der letzte war. Schmeckte zwar (ich hatte Tina die Wahl meines Cocktails überlassen) doch gefällt mir die ganze Atmosphäre (dunkel, Musik gerade so laut, dass man sich schlecht unterhalten kann, sparsame Einrichtung) nicht wirklich. Dennoch war es nett mit den beiden.







Es erscheint sehr kurz, war aber trotzdem nett. Wenn auch dieser Aufenthalt viel länger hätte sein müssen. Ich würde Tina viel lieber wesentlich öfter sehen, Mikael genauso. Aber das ist halt die Bürde, die der trägt, der Freunde überall auf dem Planeten hat...

Mittwoch, 20. August 2008

Viel mehr Zeit blieb mir in Singapur nicht. Bereits um 7.15 Uhr war ich aus den Federn, checkte aus und zog meinen weltlichen Besitz über die Bürgersteige zur MRT. Dann ging alles schnell und wenig beeindruckend. Tina hatte noch eine SMS geschrieben und mir eine gute Weiterreise gewünscht, Laine dachte auch noch ab und zu an mich und mir ging es erstmal darum, einzuchecken.

Ein Lebenstraum war wahr geworden - fliegen war für mich reine Routine. Kein kindliches Staunen mehr, keine Vorfreude, einfach ein Weg, vorwärts zu kommen. Der Schönste der Welt, zweifellos. Doch endlich war ich so cool wie die Kinder, die übers Wochenende zu ihren Eltern quer durch Europa fliegen oder die ach-so-wichtigen Geschäftsleute. Thai Air Asia läßt nur 15kg Gepäck zu, ich hatte leider 17, was mir ein paar zusätzliche Dollar aus der Tasche zog.
Erstmal ging ich zu Burger King (dort wesentlich häufiger als McDonald's) und frühstückte ausgiebig, bevor ich den Schildern zur Aussichtsplattform der Terminal 1 folgte. Die war kaum wirklich beeindruckend, da die Fenster mit kleinen Punkten beklebt sind, um die Sonne etwas zu schwächen - leider auch den Blick des Liebhabers.
Wenig später dann ging ich durch die Sicherheitskontrolle in den sehr ansprechenden und gemütlichen Abflugbereich. Um 10.55 Uhr sollte es weiter nach Bangkok gehen.





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