Juni 2009 - Neapel
Meine Studienfahrt im 12. Jahrgang führte nach Neapel. Wir hatten ein gutes Jahr zuvor zwischen vier Zielen wählen können: Neapel, Toskana, Wien und Irland. Neapel war dabei für Schüler reserviert, die im laufenden Schuljahr noch Latein hatten oder zumindest lange Latein gehabt hatten. Meiner Interessen gemäß wählte ich Neapel. Mich reizte dabei vor allem die römische Vergangenheit, die Ruinen von Pompeji und Herculaneum, die griechischen Mythen, mit denen diese Region verbunden ist und die geologische Fundgrube der Gegend. Neapel liegt am Vesuv, dem einzigen aktiven Vulkan auf dem europäischen Festland. Rumd um die Stadt liegt ein vulkanisch hochaktives Gebiet, die Campi Flegrei. Ich freute mich ungemein darauf, all das zu sehen zu bekommen.
Dienstag, 23. Juni 2009
Flug Hamburg - Neapel
Glücklicherweise hatte unsere Lateinlehrerin, die die Fahrt leitete, von ihrem Plan abgesehen mit dem Zug nach Neapel zu fahren. Statt der 24-stündigen Bahnreise buchten wir einen zweistündigen Flug ab Hamburg mit Tuifly.
Wir trafen uns am Paradeplatz in Rendsburg, unweit unserer Schule, von wo wir mit dem Bus zum Flughafen fuhren. Dort angekommen und eingecheckt blieb uns nicht mehr allzu viel Zeit durch die Sicherheitskontrolle und zum Gate zu kommen. C13 ist ein remote gate, also mussten wir uns mit einer weiteren Busfahrt zum Flugzeug abmühen.
Den schönen Sonnenschein zu verlassen war vielleicht nicht ganz so einfach, denn noch am Wochenende waren wahre Katastrophenmeldungen aus Neapel eingetroffen: heftige Regenfälle, Überflutungen, Chaos. Sollte sogar die Irlandgruppe besseres Wetter erwarten als wir? Wir waren optimistisch und hatten trotzdem unsere Sommersachen mitgenommen. Zum Glück, wie sich herausstellen sollte. Bei Ankunft gegen Abend war das Wetter noch nicht optimal, jedoch nur halb so schlimm wie erwartet. Warm war es trotzdem und über die Tage sollte es besser werden.
Wir hatten einen gecharterten Bus zur Ferienanlage in Piano di Sorrento, knapp eine Stunde vom Flughafen am Südende des Golfs. Dort passierte nicht mehr viel - wir bekamen Abendessen und richteten uns ein. Bei einem Haus war etwas Platz zum Sitzen, so fanden sich alle dort ein um ein bisschen zu feiern - wir hatten bereits vorher im nahe gelegenen Laden eingekauft.
Mittwoch, 24. Juni 2009
Der nächste Tag begann erbarmungslos früh. Nach dem Frühstück mussten wir um halb neun am Ausgang der Anlage gesammelt und Abfahrbereit sein: es ging zu Fuß zum Bahnhof und von dort mit der Circumvesuviana nach Scavi di Pompei. Die antike römische Stadt, 79 n. Chr. durch einen Vesuvausbruch zerstört und konserviert, war unser erstes Ziel an diesem Tag.
Pompeji
Allerdings war alles nicht so einfach: uns wurde am Eingang geraten, die Stadt an der gegenüberliegenden Seite zu betreten, hier sei der Eintritt für Gruppen heute frei. Also umrundeten wir zunächst Pompeji und betraten die Anlage von Osten her. Die Gruppe, die heute die Führung in Pompeji übernehmen sollte musste daher umplanen und uns anders herum durch die Stadt führen. Es gelang ihnen auch zur Zufriedenheit und wir sahen eine ganze Menge, einschließlich des Amphitheaters, eines Bordells, zahlreicher Tempel, Bäder und berühmter Villen. Zum Schluss waren wir alle ziemlich fertig und erwarteten, das Tagwerk sei verrichtet - stattdessen stand für den späten Nachmittag jedoch noch Sorrent auf dem Plan.
Sorrent
Donnerstag, 25. Juni 2009
"Neapel I", so stand es auf dem Ablaufplan. Neapel I bedeutete: Das archäologische Nationalmuseum von Neapel, eine der bedeutendsten archäologischen Sammlungen der Welt, und später den westlich von Neapel gelegenen Ort Pozzuoli mit einigen römischen Ruinen und dem Solfatara-Krater, ein vulkanisch aktiver Krater in dem heiße Schwefeldämpfe aufsteigen. Die Griechen glaubten, hier sei der Eingang zur Unterwelt.
Der Tag begann wie der vorherige und wie alle folgenden: 8.30 Uhr am Ausgang, Fußmarsch zum Bahnhof, Bahnfahrt zum Ziel.
Neapel Nationalmuseum

Gabinetto Segretto
Das "Geheimkabinett" enthält eine Sammlung sexuell anstößiger und erotischer Exponate. Lange Zeit war diese Sammlung für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, die Kirche verhinderte dies. Seit einigen Jahren kann man jedoch nach vorheriger Anmeldung in die Sammlung.
Pozzuoli
Pozzuoli war in der Römerzeit der wichtigste Hafen Italiens, Anlandungsort für die Getreidelieferungen aus Ägypten. Das flavische Amphitheater der Stadt war das drittgrößte des Reiches (nach Rom und Capua). Die Stadt liegt in den Campi Flegrei in direkter Nähe zum Solfatarakrater.
Wir aßen zunächst Pizza, nachdem wir einen beschwerlichen Abstieg durch fast senkrechte Straßen gemacht hatten. Danach brachen wir auf, uns das Amphitheater mit seinen gewaltigen unterirdischen Konstruktionen anzusehen.
Zum Abschluss des Tages marschierten wir in der sengenden Hitze zur Solfatara, wurden herumgeführt und brachen dann die lange Zugfahrt zur Ferienanlage an.
Solfatara
Freitag, 26. Juni 2009
"Neapel II", das hieß: die Altstadt, ein Spaziergang entlang des Golfs zum Castel dell'Ovo und zurück. Dabei wurden wir eingeführt in die Geschichte der Stadt Neapel, und wir bekamen das Flair der Metropole hautnah zu spüren (inklusive Mafiahochzeit).
Galeria Umberto
San Francesco di Paola
Castel dell'Ovo
Castel Nuovo
Samstag, 27. Juni 2009
Vesuv
Nachdem wir es ein paar mal verschoben hatten brachen wir heute endlich zum Vesuv auf, der die ganze Region majestätisch überragt. Die Führung an diesem Tag übernahm ich mit meinem Kollegen Flo. Die Busfahrt hatte einigen offenbar nicht bekommen und so dauerte es eine Weile, bis wir mit dem Aufstieg beginnen konnten. Die letzten paar hundert Höhenmeter sind nämlich nicht befahrbar. Aber auch das war weniger schlimm als unsere Lateinlehrerin heraufbeschworen hatte.
Oben angekommen heuerte unser Geschichtslehrer, der die Fahrt begleitete, auf eigene Faust einen ortsansässigen Führer an, was uns natürlich den Vortrag unseres Referats erschwerte. Es hatte aber auch sein Gutes, denn so gab es auch Informationen, die uns gar nicht zugänglich gewesen waren.
Leider hatten wir nicht viel Zeit, der Busfahrer ließ über die Wartezeit nicht mit sich verhandeln. So mussten wir uns schließlich beeilen, wieder am Busparkplatz anzukommen. Von dort fuhren wir direkt nach Herculaneum, einer römischen Kleinstadt am Fuße des Vesuvs.

Herculaneum
Herculaneum wurde wie Pompeji beim Vesuvausbruch 79 n.Chr.
zerstört, wenn auch auf andere Weise: Auf Pompeji war ein starker Asche- und Lavaregen niedergegangen, die starke Last auf den Dächern brachte diese zum Einsturz und als die Asche schließlich Pompeji metertief unter sich begrub stand kaum noch ein Haus komplett.
Herculaneum hingegen wurde von einer gewaltigen Schlammlawine umhüllt, die die Häuser weitestgehend intakt ließ. Die Ausgrabungen hier sind schwerer, da der Schlamm sich zu Beton erhärtet hat. Der freigelegte Teil der Stadt wurde mühsam herausgekratzt und die Grabungen dauern an, man kann sehen, wie mühsam sie sind.
Mir hat Herculaneum besser gefallen als Pompeji. Die Stadt ist wie schon erwähnt wesentlich besser erhalten und weit weniger von Touristen überlaufen als die große Nachbarin.
Sonntag, 28. Juni 2009
Malte hatte sich seit Tagen unermüdlich auf diesen Tag vorbereitet: er übernahm die Stadtführung durch Positano. Später am Nachmittag würden wir nach Amalfi fahren, wo Lasse und Jannik ihre Vorträge halten sollten.
Wir nahmen den Linienbus von Sorrent nach Positano. Die Weiterfahrt wurde später unmöglich - durch den veränderten Zeitplan war die Tour auf Sonntag gefallen, und sonntags verkehren die Linienbusse wesentlich seltener. Das gab uns ein paar Stunden extra Zeit in Positano, die wir am Strand verbrachten. Malte hatte seinen Text auswendig gelernt und führte sicher durch das 'senkrechte Städtchen', in dem viele Berühmtheiten im beginnenden 20. Jahrhundert einige Zeit verbracht hatten.
Positano
Amalfi
Montag, 29. Juni 2009
Capri
Capri ist nicht zu unrecht eines der beliebtesten Touristenziele Italiens. Die Insel ist von atemberaubender Schönheit, trotz der Massen an Touristen und der überteuerten Preise. Sie hat auch einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten, weswegen für die Führung an diesem Tag eine Gruppe von fünf Personen eingeteilt worden war.
Wir nahmen eine frühe Fähre von Sorrent aus, die Überfahrt in der komfortablen Kabine dauerte etwa eine halbe Stunde. Angekommen in der Marina Grande ging es auch gleich los, über den Hauptkamm der gebirgigen Insel zur Südseite, die berühmt-berüchtigte Via Krupp hinunter zum Strand, wieder rauf, kreuz und quer über die Insel und schließlich zur Villa Iovis, der Residenz des römischen Kaisers Tiberius, auf einer 300m hohen Klippe ganz im Osten der Insel. Hierhin hatte es nur noch eine kleine Gruppe geschafft.
35°C - ein Gruß nach Irland und Wien
Die Via Krupp in all ihrer senkrechten Pracht
Villa Iovis
Nur wenige schafften es noch hierher, an diesen malerischen Ort. Die Villa war die Residenz des Kaisers Tiberius und Capri damit zeitweise quasi Hauptstadt des römischen Reiches. Man sagt, die Anlage habe bis zu acht Stockwerke besessen, heute stehen selbstverständlich nur noch Ruinen, doch selbst die sind beeindruckend genug. 300m hoch ist die Klippe, auf der der Bau steht, mit einer unglaublichen Aussicht auf das nahe Festland und das blaue Meer.
Dienstag, 30. Juni 2009
Flug Neapel - Hamburg
Es war der Tag der Heimreise. Der gecharterte Bus holte uns an der Anlage ab und fuhr uns zum Flughafen. Dort hatten wir glücklicherweise keinen langen Aufenthalt - zu tun gibt es auf dem kleinen Airport nämlich nichts.
Nach dem ereignislosen Flug wurden wir wieder von meinem Stiefvater im Bus abgeholt und nach Rendsburg gebracht, wo sich die Gruppe zerstreute. An den folgenden zwei Tagen waren wir leider verpflichtet, in die Schule zu gehen und Projekttage zu veranstalten - wir waren zwei Tage früher als die anderen Gruppen wieder nach hause gekommen. Das gab uns die Möglichkeit, die ganze Fahrt noch einmal zu rekapitulieren und aufzuarbeiten, solange die Sonnenbräune noch nicht verflogen war.
Vorbeiflug an Venedig








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