August 2009 - Grand Canyon
Im Rahmen meines Aufenthalts in Kalifornien im August 2009 hatte Laine's Mutter etwas ganz Besonderes versprochen: einen dreitägigen Trip zum Grand Canyon und nach Las Vegas. Nach Mitternacht am 16. August machten wir uns auf den Weg, Laine, ihre Mutter, ihre Schwester Mina, der kleine Hund Loki und meine Wenigkeit.
Etwa acht Stunden dauert die Fahrt durch die Wüste von Los Angeles aus. Auf dem Weg machten wir Halt in Needles, an der Grenze zwischen Kalifornien und Arizona, um zu tanken. Später hielten wir noch zweimal an der Route 66, in Seligman und Williams.
Seligman, Arizona
Genau so stellt man sich ein Städtchen an der Route 66 vor: wenige Häuser, davon mindestens eine Tankstelle mit meterhohem Mast an dessen Spitze ein Schild mit der Aufschrift "Route 66" prangt. Daneben ein echt amerikanisches Diner mit ein paar Harleys davor. Durch die Geisterstadt zieht sich einsam eine Asphaltpiste die an beiden Seiten hinter dem Horizont verschwindet.
Seligman hat all das und noch eine Besonderheit: eine Häuserzeile die an Westernfilme erinnert. Wir blieben etwa zwanzig Minuten in der noch angenehmen Morgenluft des aufziehenden Tages bevor wir uns wieder auf der Insterstate-Autobahn auf den Weg gen Osten machten.
Williams, Arizona
Eine weitere Stadt an der alten Route 66 ist Williams. Gleichzeitig ist sie jedoch auch das selbsternannte "Tor zum Grand Canyon". Der liegt zwar noch eine Autostunde entfernt, allerdings ist die Abzweigung in Williams der einzige Zugang. Es ist eben tiefste Wüste in einem Land, dessen Weiten und Dimensionen man sich als Europäer nur schwer vorstellen kann.
Entsprechend der günstigen Lage hat sich in Williams bereits der Canyon-Tourismus breitgemacht. Eine offizielle Infostation liegt hier, in der man sich mit Broschüren und Karten eindecken kann. Gleichzeitig gibt es noch ein paar Exponate zur Route 66, beispielsweise die letzte noch betriebene Ampel auf der Strecke. Williams war nämlich die letzte Stadt, die an die neue Interstate angeschlossen wurde. Somit war hier auch das letzte Gebiet, durch das die Route 66 als einzige Verkehrsader führte.
Unweit des Museums liegt ein Bahnhof, von dem eine historische Dampflok historische Waggons zum Grand Canyon zieht - selbstverständlich nur für Touristen. Entsprechend amerikanischer Mentalität bevorzugen die Meisten dennoch das Auto, um zur Schlucht zu kommen.
Wir frühstückten in einem Fastfood-Restaurant. Noch war es frisch genug, um draußen in der Morgensonne zu sitzen.
Grand Canyon Village
Endlich! Wir waren da, am Grand Canyon. Doch - wo ist er, fragte ich mich - denn zu sehen war weit und breit nichts. Langsam machte sich auch bemerkbar, dass wir uns auf über 2000 Höhenmetern befanden. Ohne die latenten Bauchschmerzen hätte ich glatt vergessen, dass diese endlose Ebene höher liegt als die meisten Alpengipfel.
Obama war in der Stadt, vielleicht war das der Grund für die endlosen Autoschlangen und die vielen Polizisten. Vielleicht war es auch nur die Tatsache, dass jeden Tag viele Menschen das Naturwunder sehen wollen. Da es mein erster Besuch war, vermochte ich das nicht zu sagen.
Wir fuhren durch Grand Canyon Village, mehr ein Touristenhotspot als ein eigentliches Dorf. Souvenirläden, Infozentren und Pensionen prägen das Stadtbild, dass hier jemand wohnt bezweifle ich.
Wir parkten am Straßenrand, neben einer Reihe Wüstenbüsche. Ein Weg auf der anderen Straßenseite führte zum Infozentrum. Hier gab es neben Wetterinformationen auch zahlreiche Informationen über die Geologie und Geografie des Naturwunders. Von dem hatte ich übrigens immer noch nichts gesehen. Nach einem Toilettenstop gingen wir dann in die Richtung wieder zurück, aus der wir gekommen waren. Und dann, als wir die Straße überquert und auf einem Trampelpfad das Gebüsch durchquert hatten, offenbarte sich plötzlich ein überwältigender Anblick.
Mit Worten lässt sich dieser Anblick nicht beschreiben. Genausowenig lässt er sich vom Verstand begreifen. Die schiere Größe, die unglaublichen Dimensionen, die Präsenz des gewaltigen klaffenden Lochs in der Erde, geformt durch die Gewalt der Natur in Millionen von Jahren, all das übersteigt einfach das, was der Mensch sich vorstellen oder aufnehmen kann. Klar, man kennt Fotos, man liest vielleicht Zahlen oder Vergleiche, was die Fläche angeht. Doch egal wie gut man sich auskennt, sobald man dort steht schrumpft man, schrumpft die gesamte Existenz des Einzelnen, auf unmessbare Unbedeutsamkeit zusammen. Was hier vor einem liegt ist größer als alles, was das Individuum je schaffen kann, ist größer als alles, was der Mensch begreifen kann.
Seltsamerweise war selbst meine Höhenangst, sonst omnipräsent sobald ich nur auf einen Stuhl steige, verflogen. Ich stand direkt an der Abbruchkante, mehrere hundert Meter senkrecht abfallender Fels unter mir, auf einem wackligen Stein, der bereits durch einen Riss vom Rest getrennt war. Dennoch war da keine Angst, keine Beklemmung. Ich empfand nur überwältigendes Staunen und Ehrfurcht.
Wir blieben ein paar Stunden, besuchten ein Infohäuschen, das mit Panoramafenstern direkt an den Abgrund gebaut ist, gingen zum Marktplatz in einen der riesigen Souvenirläden. Dann fuhren wir ab, zurück nach Williams, zur Interstate nach Westen, richtung Las Vegas.








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Bangkok