Mai 2010 - Dubai
Dies ist die Geschichte einer der nervigsten Nächte meines Lebens.
Mein Rückflug aus Singapur nach Dubai sollte planmäßig einen Zwischenstop in Colombo, Sri Lanka machen. Alles verlief blendend bis sich kurz for Sri Lanka der Kapitän meldete und mitteilte, dass wir aufgrund des Wetters in Colombo vorerst nicht würden landen können. Zehn Minuten, so sagte er, würden wir noch kreisen und hoffen, dass sich die Gelegenheit zur Landung ergäbe. Als dies nicht eintrat mussten wir ausweichen - nach Trivandrum in Südindien. Um etwa zwei Uhr nachts kann man sich kaum etwas schöneres vorstellen als wider Willen in Indien fest zu sitzen.
Etwa eineinhalb Stunden verbrachten wir auf dem Vorfeld des Flughafens von Thiruvananthapuram, bevor wir frisch aufgetankt wieder richtung Colombo flogen, bereit auch zwei Stunden Warteschleifen zu fliegen. Das erschien mir zu diesm Zeitpunkt als das Schlimmste, was in dieser Nacht noch passieren könnte - zwei Stunden zu kreisen. Umso mehr freute ich mich, als wir direkt einfliegen konnten. Was folgte, war eine Verkettung unheilvoller Umstände:
Endlich parkten wir am Terminal in Colombo, zusätzliche Gäste stiegen ein, die genau wie wir endlich nach Dubai wollten. Das Wetter verschlechterte sich jedoch wieder, was dazu führte, dass ein Start nicht unmittelbar wieder möglich war. Durch das Fenster sah ich Flugzeuge kommen und gehen, die Sonne aufgehen, Wolken vorbeiziehen und den Tag anbrechen. Auf dem Bildschirm vor mir sah ich Filme kommen und gehen, Episoden der Simpsons und anderer Serien vorbeiziehen. Das Warten war endlos. Schließlich die nächste Hiobsbotschaft: die Crew hatte ihre Flugzeit überschritten und durfte nicht weiter nach Dubai fliegen. Stattdessen wurde eine neue Crew aus dem Hotel zum Flughafen gebracht - glücklicherweise war sie verfügbar. Eigentlich sollte diese Besatzung ein anderes Flugzeug nach Dubai fliegen, das mittlerweile neben uns geparkt hatte. Was letztendlich aus dieser Maschine wurde bleibt ein Rätsel. Jedenfalls konnten wir nach einer Weile endlich wieder aufsteigen und nach Dubai fliegen. Dort trafen wir gegen 14 Uhr nachmittags mit etwa acht Stunden Verspätung ein. Mein Weiterflug nach Hamburg war bereits um neun Uhr gestartet. Es galt jetzt, herauszufinden wie es weitergehen sollte.
Dies ist die Geschichte einer der spannendsten und erzählenswertesten Nächte meines Lebens.
Am Serviceschalter der Emirates im Terminal war die Hölle los, mehrere hundert Passagiere waren in der Sonnenstadt gestrandet. Offenbar hatte es ähnliche Wetterprobleme in dieser Nacht auch in Teilen Indiens gegeben. Ich kam bereits beim Aussteigen mit einem anderen Passagier ins Gespräch, der wie ich nach Hamburg wollte. Der Indonesier wollte den Sommer über in einem Hotel in Deutschland arbeiten. Wir schlossen uns zusammen und ich erklärte ihm meine Idee, nach einem Flug in eine andere deutsche Stadt und Weiterfahrt mit der Bahn zu fragen. Am Schalter erklärte mir eine andere Reisende, dass sie das selbe versucht habe und nichts mehr zu bekommen war. Auch sie waren zu zweit und hätten auf dem Flug nach Hamburg sein sollen.
Dem großartigen Service bei Emirates sei Dank war alles nicht so schlimm: man überreichte uns einen Hotelvoucher, ein Visum für die VAE und eine Bordkarte für den Flug nach Hamburg am nächsten Tag. Ein Shuttlebus würde uns zum Millennium Airport Hotel bringen und dort am nächsten Morgen auch wieder abholen. Am Bus trafen wir auf noch einen Reisenden, der ebenfalls auf der Strecke von Singapur nach Hamburg gebucht und in derselben misslichen Situation war wie wir alle.
Im Hotel angekommen wurden wir eingecheckt und mit Wasch- und Rasierzeug sowie Gutscheinen für drei Mahlzeiten ausgestattet.
Wir saßen auf der Hotelterrasse zusammen und betrachteten unsere Situation: wir hatten eine Nacht in Dubai, kaum Geld (in meinem Fall gar keines außer einigen Singapur-Dollar die im Hotel nicht in Dirham getauscht werden konnten) und keine saubere Kleidung. Dennoch entschieden wir beim Abendessen, die Chance zu nutzen und uns die Stadt anzusehen.
Vor der Hoteltür fand sich ein findiger Taxifahrer, der uns anbot, uns für einen Festpreis herumzufahren, zum Burj al-Arab, auf die Palme Jumeirah, zum Burj Khalifah und schließlich in die Altstadt zu bringen. Und so fuhren wir durch eine der faszinierendsten Städte der Welt, in die wir gelangt waren ohne es überhaupt zu wollen.
Wir bewunderten das Burj al-Arab, das gar nicht so groß ist wie es immer dargestellt wird, ins Atlantis Hotel auf der Palme, wo wir in unseren lange getragenen Klamotten ganz fehl am Platze waren, und schließlich zum Burj Khalifa, dessen Dimensionen jede Beschreibung übertreffen. Direkt davor genossen wir eine Wasserfontänenshow, die die des Bellagio in Las Vegas in den Schatten stellt. Weiter ging es in die Altstadt, dort Souk genannt, wo wir den Abend mit einem Spaziergang durch den Basar beendeten.
Am Ende hatte sich das schlechte Wetter von Sri Lanka doch ausgezahlt. Für so gut wie keinen Aufpreis bekamen wir eine aufregende Nacht in Dubai geschenkt, ich lernte eine handvoll netter Leute kennen mit denen ich einen schönen Abend verleben durfte und konnte dann in einem wunderbaren Hotel nächtigen. Selbstverständlich wäre es schöner gewesen, Wechselkleidung oder zumindest Bargeld dabei gehabt zu haben aber was soll's, man soll sich nicht beschweren. Überlebt habe ich es und konnte dabei noch eine sehr interessante Reisegeschichte in mein Repertoire aufnehmen.
Ich schlief gut und fest, bis der Weckanruf das Ende des Aufenthalts in Dubai
einläutete. Wir frühstückten gemeinsam und fuhren dann zum Flughafen zurück. Endlich im Flugzeug nach Hamburg sitzend waren wir selbstverständlich alle erleichtert, noch mehr sogar als wir feststellten, dass auch unser Gepäck den richtigen Weg gefunden hatte.








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Bangkok