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September 2007 - Berlin

Prolog

Es fing alles damit an, dass meine offizielle inoffizielle große Schwester Tina mir erzählte, sie würde bald nach Stockholm zu einer zweiwöchigen Fortbildung fahren. Und da Stockholm geringfügig näher liegt als Singapur war klar, dass ich sie dort mal treffen wollte.
Da fing es an. Wenn man erstmal versucht, einen Flug von Hamburg oder Lübeck nach Stockholm zu finden, morgens, und am selben abend wieder zurück will, am besten Samstags, dann weiß man, wie schlecht das europäische Verkehrsnetz eigentlich ist. Unmöglich, also stellte ich mich schon drauf ein, Freitags nach der Schule loszufliegen und erst Sonntags zurück.

Aber Tina wollte ja im Anschluss auch noch nach Berlin, um ihren Freund Oliver zu treffen. Ich könne mich aber auf jeden Fall gerne einklinken. Unsere Angestellte Marlene hatte für mich schon nach Flügen gesucht (als Reisekauffrau kann sie das sicher besser als ich) und als ich ihr von Berlin erzählte bot sie mir sofort an, mit ihr mit zu fahren. Sie hat immer noch eine WG in Berlin und fährt regelmäßig hin. Ich hatte Transfer und Schlafplatz, was Besseres konnte mir ja kaum passieren.

Freitag, 21. September 2007

Eine Tür knallt, schwere Schritte sind auf der Treppe zu hören, noch eine Tür fällt ins Schloss. ein Haufen schwarzer Klamotten und langer Haare huscht über den Hof, in der Hand eine Sporttasche, und verschwindet im Bürogebäude. So oder so ähnlich muss es für einen Aussenstehenden ausgesehen haben, als ich mich an diesem Freitag kurz zuhause aufhielt. Um 16:30 fuhren Marlene und ich dann vom Hof. Die nächsten vier Stunden hatten wir fast durchgehend angeregte und interessante Unterhaltungen und die Zeit verging fast wie im Fluge. Als wir dann bei Dunkelheit in Berlin ankamen hatte ich auch gleich eine kostenlose Reiseleiterin dabei. =)
Doch der erste Kulturschock war schon vorprogrammiert. Zu einer Zeit, wenn bei mir im Dorf das Gewerbe selig schlummert fuhren wir mit Marlenes Mitbewohnerin Andrea in ein nahe gelegenes Sushirestaurant. Das ganze Viertel war noch auf den Beinen. Bei der Gelegenheit versuchte ich mich auch gleich mal an einem japanischen Bier (das schmeckt wie eine 50:50 Mischung aus deutschem Pils und Leitungswasser) Wie auch immer, es war ein sehr netter Abend und ich fühlte mich das ganze Wochenende über pudelwohl und willkommen.



Sonnenuntergang in McPomm - wer hat nicht schon davon geträumt? xD

Samstag, 23. September 2007

Das atmen fällt einem schon ein wenig schwer wenn man an dem Tag aufwacht, an dem man zum ersten Mal im Leben einen Menschen trifft, der seit Ewigkeiten wie eine große Schwester für einen war. Der Tag begann schon aufregend, ganz abgesehen davon, dass ich in das Terrarium blickte, das in dem Raum stand, in dem ich schlief, und die Schlange vom Vortag nirgends zu sehen war... nach einer Dusche und Frühstück rief ich Tina an.
"Die von ihnen gewählte Nummer ist nicht vergeben." Auch beim zweiten Mal nicht. Panik stieg in mir hoch, denn wir hatten vereinbart, dass wir morgens telefonisch ausmachen, wann und wo wir uns treffen wollten. Aber kurz darauf kam eine SMS "wann hast du heute nachmittag Zeit?"
Wunderbar, das ließ mir noch etwas Zeit, allein durch die Stadt zu stromern. Damit fing ich auch gleich an, direkt nebenan liegt die U-Bahnstation Frankfurter Allee, von wo aus es mich in Richtung Alexanderplatz trug.

U5 zum Alex, direkt weiter mit der U2 zum Potsdamer Platz, kein Problem. Nur war die Station gerade im Umbau und in dem entstandenen Labyrinth ging ich ein wenig verloren, bis ich plötzlich im grellen Sonnenlicht unter dem Fernsehturm stand. Ich kaufte bei der Gelegenheit eine Postkarte und machte ein paar Fotos, bevor ich mich wieder in die Unterwelt begab und auch auf Anhieb meinen Zug fand.



Potsdamer Platz. Das Sony Center, die Deutsche Bahn, einige Hochhäuser und Leuchtreklamen säumen den Ort, der in der Mittagssonne einfach herrlich war. Ich ließ mich die Niederkirchnerstraße hinuntertreiben, wo einige hundert Meter Mauer noch stehen. Nach meiner Runde um den Pudding vorbei an Finanzministerium und Bundesrat stand ich dann auch wieder auf dem Potsdamer Platz.

Statt wieder in die U-Bahn zu steigen spazierte ich die Eberstraße hoch, vorbei am Holocaustdenkmal zum Brandenburger Tor, weiter um das Reichstagsgebäude herum und an der Spree entlang zur Museumsinsel - mein eigentliches Ziel. Hier wollte ich mir eigentlich das Pergamonmuseum ansehen, ein Muss für einen Geschichtsfreak wie mich. Das war nur gerade in Baugerüste gehüllt, daher machte ich mich lieber auf die Suche nach einem gelben M, das sicher irgendwo hoch über den Köpfen ein warmes leckeres Mahl versprach. Ich kam gerade wieder am Alexanderplatz an als Tina mir schrieb, sie wäre gerade dorthin unterwegs.
































Friedrich II.




Der Dom






Rotes Rathaus

Am Alex angekommen schlenderte ich hinüber zum Rathaus, das irgendwie schon ein tolles Gebäude ist. Vielleicht auch nur, weil mein Adrenalin wieder zu kochen angefangen hatte als ich auf weitere SMS wartete. Vielleicht waren es nur noch Minuten, bis ich endlich meiner großen Schwester, meiner besten Freundin, nein, mehr als das, einfach einem der wertvollstein Menschen in meinem Leben gegenüber treten konnte. Da klingelte es auch schon in den Tiefen meines Rucksacks und ich hörte zumindest erstmal eine vertraute Stimme. Nur, wie jedesmal, wenn wir telefonieren, verstand ich mal wieder kaum ein Wort. Verdammte Sprachbarriere. Tina gab das Handy ihrem Freund Oliver, der nicht nur Deutsch sondern auch völlig akzentfrei sprach =) Als Treffpunkt machten wir den Eingang des Fernsehturmes aus.
Da stand ich also neben der ätzend langen Schlange von Leuten, die auf den Turm wollten, und suchte den Platz mit meinen Augen ab, als ich in der Ferne unverkennbar Klein Tina entdeckte. Offenbar hatte ich genug Bilder gesehen, ich erkannte sie sofort. Überraschung war kaum da, ich kannte ja ihr Gesicht und ihre Stimme, alles, als hätten wir uns erst vor Tagen das letzte Mal gesehen. Die Freude war trotzdem riesengroß. Ich wurde Oliver vorgestellt, der mir sofort sympathisch war.

Endlich kam ich auch zu McDonald's. Tina lud ein, ich bestellte nicht mehr als sonst, einen Cheeseburger und einen kleinen Milchshake. Schließlich stellte sie mir zwei Becher vor die Nase, hinter denen ich mich verstecken konnte, einen Shake und eine Cola, dazu eine Riesenpommes und mein Burger =) Es war ein reichliches Mahl für alle drei und gleich darauf machten wir uns auf den Weg, fast den selben Weg, den ich gekommen war. Die zwei wollten mich ins Pergamonmuseum begleiten, als wir ankamen stellte sich jedoch heraus, dass die Wartezeit mindestens eineinhalb Stunden betragen hätte. Die Zeit war einfach zu schade. Und zum draussen anstehen war es auch zu kalt. Also setzten wir uns in den Lustgarten zwischen die hässlichen Statuen.













Tina interessierte sich für den Dom, also gingen wir kurzerhand hinein und wollten Versuchen, irgendwie auf's Dach zu gelangen. Es war auch okay, ein bisschen Eintritt zu bezahlen, damit dieses großartige Gebäude instand gehalten werden kann. Eine Galerie gibt es auch, ich wusste ja nicht, dass da nur eine schmale, steile, lange Treppe hinaufführte. Aber ich überwand meine Höhenangst und der Blick über die ganze Stadt war Lohn genug!
285 Stufen (von Tina und Oliver gezählt) tiefer liegt die Hohenzollerngruft, in der Kurfürsten, Könige und Kaiser liegen.





















Ich weiß nicht, warum wir wieder zum Alexanderplatz zurückgingen, aber als wir aus einem Tunnel heraus auf eine Spreebrücke kamen hörten wir auf einmal laute Technomusik und standen mitten in einer Demonstration gegen den Überwachungsstaat (was ich total unterstütze) Dieser Prozession folgten wir bis zum Alexanderplatz zurück.





Bei Dunkin' Donouts machten wir eine kurze Pause während der Oliver vom Potsdamer Platz am Abend schwärmte. Die beiden wollten sich dort später eh einen Film ansehen und ich nahm das Angebot, mitzukommen, gern an. Wir nahmen die U-Bahn (genau die selbe Strecke, auf der ich vormittags unterwegs gewesen war) und kamen beim Dunkelwerden an. Der Ort ist um die Uhrzeit definitiv schön und beeindruckend, meine dringende Empfehlung an dieser Stelle! Wir gingen in eine nahe gelegene Passage, Arkaden genannt, und aßen ein Eis. Ich war lange genug das dritte Rad am Wagen gewesen und hatte eh keine Pläne mehr, also verabschiedeten wir uns herzlich (Tina mit den Worten "Bis zum nächsten Mal") und ich trat die Heimfahrt an.
Am selben Abend wurde ich zudem Teil von Marlenes Geburtstagsgeschenk. Eine Freundin der beiden kam vorbei und alle gemeinsam machten wir Sushi. Auch wenn Sushi nicht unbedingt wirklich mein Fall ist hatte ich trotzdem meinen Spaß.

















Sonntag, 23. September 2007

Während meiner Abwesenheit hatte der Eigentümer des Schlangenzimmers seinen Krempel ausgeräumt, was zu einer dramatischen Veränderung der Einrichtung führte. Nur das Terrarium war noch da (jetzt sah ich die Schlange auch) Aber ich sollte ja nur schlafen, und das tat ich auch wie ein Baby.

Am nächsten morgen führte mein erster Weg zum Postkasten, ich hatte ja noch die Postkarten vom Vortag, die ich loswerden musste. Oder wollte. Im Schreibwarenladen (die Post hatte abends natürlich nicht mehr auf) hatten sie mir nur große Sondermarken zu -,55€ verkauft. Davon hatte ich mit Mühe und Not drei auf eine Postkarte nach Kalifornien gequetscht. Aber sie kam ja wohl trotzdem an, jedenfalls bedankte Laine sich später dafür, eine bekommen zu haben. Auf dem Weg die Straße entlang konnte ich an diesem Spätsommertag einen geilen Blick auf den Fernsehturm genießen. Die Straße an sich ist schon großartig. Gebaut wurde sie (laut Marlene) für DDR-Militärparaden, später fanden hier 1989 die Großdemonstationen genutzt. Generell ist es ein angenehmer Ort, die Straße wie auch die Wohnung von Marlene und Andrea. Am frühen Nachmittag ging es dann aber auch schon wieder vorbei, dieses tolle Wochenende, als wir die Heimfahrt antraten.

Berlin ist wirklich eine tolle Stadt, das Wochenende hätte kaum besser sein können. Ich hoffe mal, wenn ich mich wieder bei Marlene einnisten darf, fahre ich auch mal wieder hin. Meinen tiefsten Dank und liebe Grüße an die beiden! =)



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