Juni 2010 - Barcelona
Leider konnte in unserem Abiturjahrgang keine einstimmige Einigung über das Ziel einer geschlossenen Abifahrt getroffen werden. Die Wahlen gewann Lloret de Mar, die 70% des Jahrgangs, die nicht dafür gestimmt hatten wollten jedoch auf keinen Fall mit dorthin. Das Resultat war, dass sich unser Jahrgang in Gruppen aufspaltete, die unabhängige Fahrten durchführten.
Meine Gruppe wollte ursprügnlich eine mehrwöchige Zugtour durch ganz Europa machen. Finanzielle und organisatorische Gründe zwangen auch dieses Vorhaben in die Knie. Es kam die Idee auf, als Alternative eine Woche nach Barcelona zu fahren, womit sich auch die meisten einverstanden erklärten. Und so ließen wir uns wenige Tage nach den Abiturfeierlichkeiten zu acht am Hamburger Flughafen absetzen.
Dienstag, 15. Juni 2010
Flug Hamburg - Düsseldorf - Barcelona
Die Lufthansa brachte uns über Düsseldorf sicher nach Barcelona, wo wir am frühen Abend im brandneuen Terminal 1 eintrafen. Nach einer Weile fanden wir dann auch den Zug, der uns in die Innenstadt, zur Sants Estacio brachte. Es war eine erstaunlich lange Zugfahrt, die etwa eine halbe Stunde dauerte. Die Begeisterung über die Anreise wurde bei meinen Begleitern noch deutlich von der Unsicherheit und Planlosigkeit überdeckt - schließlich waren wir noch längst nicht im Hotel.
Google Maps uns Streetview sei Dank hatte ich mich auf genau dieses Problem jedoch gut vorbereiten können. Wir nahmen die U-Bahn (deren Stationen in Barcelona erstaunlich eng und verwinkelt sind) bis Poble Sec und gingen ein paar Blocks zu Fuß zu unserer Unterkunft, dem Paraiso Hostel.
Dort wurden wir bereits erwartet und überfreundlich begrüßt. Victoria, die nette Dame von der Rezeption, zeigte uns wo wir in dem kleinen gemütlichen Hostel im ersten Stock eines klassischen spanischen Altbaus was fanden, gab uns unsere Bettwäsche und Karten, auf denen sie auch gleich alle nennenswerten Sehenswürdigkeiten und für uns relevanten Buslinien vermerkte.
Jetzt hatte sich auch die Aufregung breit gemacht und an Schlaf war selbstverständlich noch nicht wirklich zu denken. In einem Supermarkt um die Ecke kauften wir Lebensmittel ein und saßen noch eine Weile in einem unserer beiden Zimmer.
Mittwoch, 16. Juni 2010
"Barcelona, Babay!"
Die Karte verriet uns, dass es bis zum Stadtzentrum nur ein relativ kurzer Fußmarsch war. Und so begannen wir den Tag damit, vorbei an der Mercat Sant Antoni durch die malerische Altstadt zu schlendern, entlang der Rambla zur Placa de Catalunya und durch einen Markt zu flanieren.
Strand und Strandbar
Nach einer neuerlichen Einkaufsorgie setzten wir uns in den Bus und machten uns auf den Weg zum Strand, der Platja de la Barceloneta. Direkt am Yachthafen und einem sehr schönen alten Viertel gelegen war dieser Strand vor allem ohne Umsteigen mit dem Bus innerhalb weniger Minuten zu erreichen. Den Nachmittag verbrachten wir hier in der Sonne, als Promoter uns ein gutes Angebot unterbreiteten: freier Eintritt in einen Club direkt am Strand, genauer am Olympischen Hafen in Sichtweite unseres derzeitigen Standortes, mit einem Freigetränk. Da wir für den Abend noch keine Pläne hatten machte sich die Hälfte von uns des nachts auf den Weg. Da die Busse nicht mehr im derart kurzen Rhythmus furhen gingen wir schlichtweg zu Fuß - meinem Empfinden nach war es auch nicht weit oder anstrengend, was unsere weiblichen Begleiter in High-Heels selbstverständlich leider nicht teilen konnten.
Der besagte Club, der 'Shoko Club', gefiel uns an sich nicht schlecht. Jedenfalls war das für Kleinstädter nobel anmutende
Etablissement eine mehr als willkommene Abwechslung zu unserer örtlichen Disco: weniger schmutzig, irgendwie gehobenere Klientel - und vor allem gesalzene Preise für Getränke. Das verdarb uns die Laune jedoch vorerst nur wenig und wir blieben einfach noch ein paar Stunden ohne uns an der Bar arm machen zu lassen.
Donnerstag, 17. Juni 2010
Einmal mehr trieb es uns an den Strand. Unser Abendessen nahmen wir gegenüber unseres Hostels in einem netten kleinen Fast-Food Restaurant ein bevor wir wieder den kurzen Fußweg zur Metrostation Paral.lel nahmen um von dort aus auf den Montjuic zu fahren, einen Berg im Südwesten der Stadt, auf dem eine mächtige Zitadelle thront. Hier genossen wir den Ausblick über die Stadt bei Sonnenuntergang.
Freitag, 18. Juni 2010
Park Güell
Eigentlich war unser erster Programmpunkt für diesen Tag die Sagrada Familia. Als wir gegen Mittag dort ankamen hatte sich allerdings bereits eine lange Schlange vor dem Eingang gebildet, die sich in der prallen Sonne einmal um den Komplex wand. Wir entschieden uns dazu, am nächsten Tag früh morgens wiederzukommen um einem derartigen Andrang zu entgehen. Stattdessen stiegen wir wieder in die U-Bahn und begaben uns an den Stadtrand zum Park Güell. Dieser von Gaudi entworfene Park wurde uns von den Angestellten im Hostel als auch von Avens Reiseführer wärmstens empfohlen. Enttäsucht wurden wir nicht, denn der eigenwillige Stil Gaudis gibt dem Park einen ganz besonderen Charme. Leider konnten wir nicht lange bleiben, da ein Fußballspiel zwischen Deutschland und Serbien von hoher Priorität für einige von uns war, weswegen letztlich alle zurück ins Hostel fuhren während ich mich entschied, ein paar Stunden lang allein durch Barcelona zu schlendern.
Mirador de Colom und Museu Maritim
Und so fand ich mich schließlich am Hafen wieder. Da wir alle die Barcelona-Card hatten war der Eintritt für die Kolumbussäule sowie ins Museu Maritim frei, was ich ausnutzte. Von der Säule hat man einen sehr schönen Blick über die Stadt, diesmal mit weniger Abstand als vom Monjuic. Der Blick schweift über den Hafen, die Altstadt, den Strand und das Mittelmeer. Viel Platz ist leider nicht und die Scheiben sind verdreckt, aber es hat sich dennoch gelohnt.
Als nächstes besuchte ich das Museum. Offen gestanden gab es dort nicht wirklich viel zu sehen, das für einen mehrstündigen Aufenthalt qualifizieren würde. Allerdings war aufgrund von Umbauarbeiten auch nur ein kleiner Teil des Museums zugänglich. Besonders sehenwert ist jedoch der Nachbau der Galeere Johann von Österreichs aus der Schlact von Lepanto 1571.
Bootsfahrt
Als ich zurück ins Hostel kam fand ich die Anderen dabei vor, wie sie eine DVD aus dem Sortiment des Hostel sahen. Bei der Übertragung des Fußballspiels hatte der Fernseher gestreikt - Ironie des Schicksals. Unsere Barcelona-Card bot noch ein Schnäppchen, das wir uns heute nicht entgehen lassen wollten: eine Bootsfahrt entlang des Strands und durch den Hafen, ebenfalls kostenfrei. Also furhen wir zurück zum Hafen, wo das Boot direkt vor der Kolumbussäule ablegte. Die Fahrt dauerte über eine Stunde und bot wirklich einen sehr schönen Ausblick auf Barcelona von der Seeseite aus - leider um den Preis eines starken Windes der für einiges Klagen sorgte. Die Bilder sind dennoch unvergesslich und ich bin mir sicher, dass keiner von uns heute bereut auf das Boot gestiegen zu sein.

Moog
Wir wollten wieder feiern gehen, nur diesmal zu menschlichen Preisen. Wir wussten, an wen wir uns wenden konnten: die nette Dame an der Rezeption markierte auf unserer Karte ganze Straßen, die sie uns empfahl. Wir entschieden uns für einen kleinen Club namens Moog, den zu finden jedoch leichter war als die Karte vermuten ließ. In einer kleinen Seitengasse der La Rambla wurden wir schließlich fündig. Der wirklich kleine Club ist mit denen am Strand schwerlich zu vergleichen, einen amüsanten Abend hatten wir dennoch.
Samstag, 19. Juni 2010
Sagrada Familia
Wir kamen nicht ganz so früh aus den Federn wie ursprünglich geplant, waren aber trotzdem rechtzeitig an der Sagrada Familia um lange Wartezeiten und unangenehmen Überfüllung mit Touristen zu vermeiden. Und so traten wir ein in Barcelonas bekannteste Sehenswürdigkeit. Die eigenwillige Gestaltung der Fassage an sich ist schon spannend anzusehen, kommt man jedoch ins Innere glaubt man sich in einem riesigen Wald wiederzufinden. Im Großen und Ganzen lässt sich der Einfluss der Gotik stark erkennen, die filigrane Ausgestaltung unterscheidet die Sagrada Familia jedoch von ihren mittelalterlichen Vorbildern. Schon jetzt eins der höchsten Gebäude Barcelonas ist doch erst ein Teil der endgültigen Höhe erreicht. Ich hatte vorher noch nie Bilder davon gesehen, wie die Kirche nach ihrer Fertigstellung aussehen soll, und so war ich beeindruckt als ich es vor Ort tat. Die Kathedrale wirkt wie der Spielplatz eines Gigantomanen. Spätestens bei Fertigstellung der Sagrada Familia werde ich bestimmt wieder in Barcelona sein um das mit eigenen Augen zu sehen, was ich mir bis dato kaum vorstellen kann.
Unter der eigentlichen Kirche, im Keller, findet sich ein großes Museum rund um Planung und Bau der Kirche mit zahlreichen Maßstabsmodellen, die teilweise die interessanten Details in größerer Höhe erst sichtbar machen.
Torre de Collserola
Wir teilten uns zwischenzeitlich auf: zu viert gingen wir ins Picassomuseum während die Anderen an der Placa de Catalunya warteten. Im Museum sahen wir nur eine von zwei Austellungen, die uns allen genug Input gab. Es war auf jeden fall ein sehr interessanter und aufschlussreicher Museumsbesuch, selbst für jemanden wie mich, der für Picasso nie viel übrig hatte. Zurück bei den anderen stand die Entscheidung an, was wir noch tun wollten. Die einen waren mittlerweile ausgeruht, wir Museumsbesucher vom Laufen kaputt und hätten gern eine Pause gehabt. Die Entscheidung fiel schließlich auf den Besuch des Fernsehturms von Barcelona, des Torre de Collserola.
Der thront auf einem der Hügel nördlich der Stadt. Hierher zu kommen war vielleicht unsere aufwändigste Tour während der Woche. Eine lange Fahrt mit dem Regionalzug, dann eine Standseilbahn und schließlich ein Bus, der weite Umwege fuhr kostete es, bis wir endlich vor dem Turm mit einer vielversprechenden Aussichtsplattform standen. Ungut für mich war der Umstand, dass zu dieser Plattform ein gläserner Aufzug fährt. Glücklicherweise haben die Spanier ihren Fernsehturm jedoch nicht so hoch gebaut wie manch andere, so dass ich es gerade noch aushalten konnte. Der Blick von dort oben war fantastisch, nur leider blieb die Architektur wenig vorteilhaft für mich. Gesehen habe ich dennoch genug und der Ausflug hat sich für alle von uns gelohnt.
Am Abend suchten wir uns aus Avens Reiseführer ein vielgerühmtes Restaurant gleich bei uns um die Ecke aus. Wir waren bereits tags vorher dort gewesen und hatten feststellen müssen, dass die Pizzeria "La Bella Napoli" erst spät öffnet. Wir ließen von unserer netten Rezeptionsdame eine Reservierung machen, was sich als gute Entscheidung herausstellte. Denn das Restaurant scheint in Barcelona nicht unbekannt zu sein, schon bald drängten sich vor der Tür viele Menschen die hofften, noch einen Platz ergattern zu können. Die Pizza war super, allerdings ließen uns die Kellner merken, dass sie es gern hätten wenn wir bald die Plätze für neue Gäste räumten. So taten wir denn auch und feierten ab Mitternacht stattdessen in der Herberge Janniks Geburtstag.
Sonntag, Montag und Dienstag, 20., 21. und 22. Juni 2010
Ruhiger Ausklang
Wir verbrachten die nächsten beiden Tage wieder am Strand. Einmal mehr ließen wir uns auf ein Angebot von herumstreunenden Promotern ein, wieder an den Olympiahafen zu kommen. Freier Eintritt in zwei Clubs wurde versprochen, italienisches Buffet im Preis inbegriffen und gute Musik. So fuhren wir denn mit dem Nachtbus wieder dorthin. Als wir ankamen war das Buffet fast leer und wir konnten nur ein paar Nudeln abgreifen. Und es zeigte sich deutlich, dass niemand etwas zu verschenken hat. Was uns am Strand nämlich nicht gesagt wurde war, dass man den Club nur verlassen konnte, nachdem man seine "in" Karte beim Kauf eines Getränks (Bier für 10€ und aufwärts) gegen eine "out" Karte getauscht hatte. Es mag auch sein, dass wir in diese Falle gingen weil wir Kleinstädter sind. Als solche und besonders natürlich in unserer Eigenschaft als Deutsche regten wir uns zunächst kollektiv auf, was für einen Teil von uns im Rauswurf endete. Zu dritt saßen wir noch im Club, zwei von uns hatten sich eh schon ein Getränk gegönnt, der dritte musste noch in ein Bier investieren. In den zweiten Club kamen wir selbstverständlich auch nicht, da dies erst ab einer bestimmten Uhrzeit möglich war. Die Laune war jedoch aus mehreren Gründen am Tiefpunkt und letztendlich gingen wir direkt ins Hotel und einige von uns wütend zu Bett.
Am letzten Abend wollten wir uns noch einmal gutes Essen gönnen. An der Rezeption konnte uns natürlich wieder geholfen werden und wir hatten die Wahl zwischen Mexikanisch und Argentinisch. Die Wahl fiel auf das mexikanische Restaurant. Dort angekommen gab es aber keinen Platz mehr und wir landeten unweit davon in einem wirklich netten kleinen, rustikal spanischen Restaurant wo wir freundlich bedient wurden und lecker essen konnten.
Wir hatten die Rezeptionsdame bereits darum gebeten, uns für den Morgen Taxen zu buchen. Früh, sehr früh mussten wir aus den Federn um unseren Flug um 6:55 Uhr zu bekommen. Die Taxifahrt war teurer, allerdings gab es keine vernünftige Alternative. Bei Sonnenaufgang saßen wir im Flieger richtung Frankfurt. Die meiste Flugzeit verging für uns im Schlaf, ebenso die Rückfahrt.

Fazit
Ich bin viel unterwegs, aber viel zu selten mit meinen guten Freunden. Es hat tierisch Spaß gemacht unsere gemeinsame Schulzeit mit diesem Trip zu beenden. Barcelona ist zudem eine wunderschöne Stadt. Ich gebe zu, dass ich im Vorfeld nie sehr heiß auf Spanien war. Ich wurde eines Besseren belehrt, denn diese Stadt ist ein einziges Kunstwerk. Man geht auf Kunst, unter Kunst, neben Kunst. Das Stadtbild ist malerisch und das kulturelle Angebot schier erdrückend. Der Kauf der Barcelona-Card hat sich wirklich gelohnt, da sie unbegrenzte und problemlose Benutzung der Verkehrsmittel und freien oder ermäßigten Eintritt zu vielen Attraktionen ermöglicht. Besonders jedoch deshalb, weil wir durch sie erst auf viele dieser Attraktionen aufmerksam wurden.








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